Was ist die Reserve?
Die Reserve der Bundeswehr
 
     
  Unter Reserve sind alle organisatorischen, materiellen, infrastrukturellen und personellen Maßnahmen zu verstehen, die der Bundeswehr zusätzlich zu den planmäßig für den Einsatz vorgesehenen Einheiten bei Bedarf zur Verfügung stehen.

Die Reserve ergänzt und verstärkt die personellen Fähigkeiten des Bundesministeriums der Verteidigung und aller Organisationsbereiche der Bundeswehr, sodass diese ihre Aufgaben im gesamten Einsatzspektrum erfüllen können. Reservisten werden dazu abhängig von ihrer Ausbildung und Verfügbarkeit in allen Aufgabengebieten der Bundeswehr eingesetzt. Sie tragen auch zum Aufbau neuer Fähigkeiten bei.

Darüber hinaus gewinnt die Reserve durch das Aussetzen der Wehrpflicht an Bedeutung für einen der jeweiligen Lage angepassten Aufwuchs. Mit ihrer Präsenz in der Fläche wächst die Relevanz der Reserve als Mittler für die Bundeswehr in der Gesellschaft.

Neben der Rolle der Reserve für die Personalergänzung und -verstärkung sowie der Mittlerfunktion für die Bundeswehr in der Gesellschaft wird der Heimatschutz als wesentliche Aufgabe der Reserve gestärkt.

Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde zur Realisierung dieser Ziele die Konzeption der Reserve (KdR) entwickelt. Sie stellt – abgeleitet aus den Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) - das zukünftige System der Reserve dar. Die KdR gibt Vorgaben für die Planung und die grundsätzliche Organisation der Reserve.

Reservisten werden einer der vier folgenden Kategorien zugeordnet. Diese Zuordnung ist jedoch nicht abschließend. Geeignete Reservisten können bedarfsgerecht, je nach ihren persönlichen Lebensumständen und Möglichkeiten, innerhalb dieser vier Kategorien wechseln.
 
 
   
 
 
  Die Allgemeine Reserve umfasst die Gesamtheit aller nicht beorderten Reservisten. Im Frieden zählt zur Allgemeinen Reserve jede wehrpflichtige und wehrfähige Person (Reservist). In Deutschland umfasst dies alle wehrfähigen ehemaligen Soldaten sowie alle wehrfähigen ungedienten Männer. 

Reservisten führen gemäß § 7 Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) einen von der Bundeswehr endgültig verliehenen Dienstgrad mit dem Zusatz „d. R.“ (der Reserve) nach ihrem aktiven Dienst und außerhalb von Reservedienstleistungen (ResDL).
Die beorderungsunabhängige, freiwillige Reservistenarbeit richtet sich an alle nicht beorderten und beorderten Reservistinnen und Reservisten der Bundeswehr sowie an Ungediente, die bereit sind, sich über bestehende Verpflichtungen hinaus für die Bundeswehr einzusetzen. Vorrangige Zielgruppe sind die Reservisten in der Allgemeinen Reserve, welche Mitglied im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr e. V. sind.

Für Vorhaben innerhalb der Bundeswehr, die einen dienstlichen Rahmen erfordern, ist die Teilnahme der Reservisten durch Zuziehung zu dienstlichen Veranstaltungen (DVag) oder durch Heranziehung zu Übungen geregelt. Die Vorgaben und Schwerpunkte für die beorderungsunabhängige Reservistenarbeit sind in der "Weisung für die Reservistenarbeit" festgelegt.

Ziel der beorderungsunabhängigen Reservistenarbeit ist, Reservisten sowie interessierte Ungediente zu informieren, fortzubilden und sie zur Wahrnehmung einer Mittlerfunktion zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu motivieren und zu befähigen. Die beorderungsunabhängige Reservistenarbeit zielt auch auf den Erhalt und die Vertiefung erworbener Kenntnisse und Fertigkeiten und kann zur Beorderung von Reservisten führen.

Die beorderungsunabhängige Reservistenarbeit leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des sicherheitspolitischen Bewusstseins der Gesellschaft sowie zur Bindung aller Reservisten an die Bundeswehr. Sie zielt darauf ab, dass die Reservisten überzeugend und kompetent als Mittler für die Belange der Bundeswehr eintreten, über aktuelle Fähigkeiten und Strukturen der Bundeswehr informiert sind, sicherheitspolitische Fragestellungen diskutieren und die Personalgewinnung in der Fläche unterstützen.

Das Kompetenzzentrum für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr ist für die beorderungsunabhängige Reservistenarbeit innerhalb der Bundeswehr fachlich zuständig und arbeitet mit den Kommandobehörden der Organisationsbereiche der Bundeswehr, insbesondere dem Kommando der Streitkräftebasis sowie dem VdRBw, dem Beirat Reservistenarbeit beim VdRBw, dem Deutschen Bundeswehr-Verband e.V. (DBwV) sowie mit weiteren in der Reservistenarbeit tätigen Verbänden und Vereinigungen zusammen. Es koordiniert bundesweite Veranstaltungen im Rahmen der beorderungsunabhängigen Reservistenarbeit, sofern diese als Allgemeiner Reservistendienst durchgeführt werden.
 
  Die Territoriale Reserve wird für territoriale Verbindungs-, Sicherungs- und Unterstützungsaufgaben eingesetzt. Sie besteht aus der Bezirks-/Kreisverbindungsorganisation und den Stützpunkten für die zivil-militärische Zusammenarbeit. Hinzu kommen unter truppendienstlicher Führung der Landeskommandos – je nach regionalem Aufkommen – eine oder mehrere Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSUKp), deren Fähigkeiten auch im Rahmen der subsidiären Hilfeleistung im Katastrophenschutz eingesetzt werden können. Die RSUKr sind die Nachfolgeorganisation der 2007 aufgelösten Heimatschutzbataillone. Die Personalstärke einer RSUKr-Einheit beträgt ca. 100 Mann, d.h. Kompaniestärke. Deutschlandweit sind dafür derzeit 3.228 Dienstposten vorgesehen.

Die RSUKr sind nach Aktivierung für einen kurzfristigen Aufwuchs der „Fähigkeit Unterstützung“ (Einsatz zur Unterstützung des zivilen Katastrophenschutzes bei schweren Naturkatastrophen oder Unglücksfällen) sowie für einen mittelfristigen Aufwuchs der „Fähigkeit Sicherung“ (militärische Wach- und Sicherungsaufgaben zum Schutz militärischer Anlagen und Einrichtungen oder Veranstaltungen) und anderer Fähigkeiten geeignet. Die Unterstellung der RSUKr für den Einsatz erfolgt unter Berücksichtigung der vorgesehenen Aufgaben. Jeder wehrrechtlich verfügbare Reservist kann in die RSUKr beordert werden. Der Aufwuchs wird durch eine für den Einsatz notwendige Ausbildung und Ausstattung lagegerecht begleitet. Regional zugeordnete Patentruppenteile unterstützen die RSUKr. Die Organisationsstrukturen der RSUKr berücksichtigen regionale Gegebenheiten und vorhandene personelle Potenziale. Sie können bei Bedarf flexibel angepasst werden.
  Die Truppenreserve dient der personellen Unterstützung und umfasst Einzeldienstposten in der Verstärkungs- und Personalreserve sowie in Ergänzungstruppenteilen. Diese dienen der Verstärkung der aktiven Verbände und bilden damit eine Grundlage für Durchhalte- und Aufwuchsfähigkeit. Insbesondere sind sie für den kurzfristigen Aufwuchs von Fähigkeiten geeignet.

Ziel der Bundeswehr ist es, interessierte und geeignete Reservisten durch eine Beorderung langfristig an die Bundeswehr zu binden. Reservisten mit speziellen zivilberuflichen Qualifikationen, über die die Bundeswehr nicht oder nicht in ausreichendem Umfang verfügt, können in der Personal-, ggf. in der Verstärkungsreserve beordert werden. Zur Deckung des Bedarfs an Spezialistinnen und Spezialisten kann sowohl auf Gediente als auch Ungediente ohne entsprechende laufbahngerechte Ausbildung zurückgegriffen werden. Die Organisationsbereiche  legen den Bedarf und die Zuordnung in eigener Zuständigkeit fest. Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) steuert und überwacht in Zusammenarbeit mit den Bedarfsträgern die Beorderungsverhältnisse.